IVZ vom 15.11.2011 von Daniel Lüns

Bärbel   Helmrich legt an - zum Fototermin natürlich ohne Munition.
Bärbel Helmrich legt an - zum Fototermin natürlich ohne Munition.

Laggenbeck. Kurz vor dem Abdrücken hält sie die Luft an. Jedes Mal. Damit bringt sie die Ruhe auf, die sie für einen Volltreffer braucht. Es hilft. Nach dem fünften Durchladen zeigt der elektrische Zähler 51,2 Punkte an - von möglichen 54,5. Bärbel Helmrich ist Kleinkaliberschützin beim Laggenbecker Schützenverein "Goldhügel". In ihrer Disziplin macht ihr so schnell keiner etwas vor.
Auf den Landesmeisterschaften des Westfälischen Schützenbundes (WSB) ergatterte die 51-Jährige in der Gruppe "Kleinkaliber aufgelegt" bei den Altersdamen jüngst Platz drei. Nach drei Durchgängen mit je zehn Schüssen blinkte die Zahl 289 auf dem Display - von 300 möglichen. Beachtlich, aber nicht die Bestleistung der Mutter zweier Kinder. "Die liegt bei 296 Punkten", sagt ihr Mann Arnold.

Vor etwa elf Jahren griff Bärbel Helmrich erstmals zum Gewehr. "Mein Mann war schon seit zwei Jahren im Verein." Sie sei ab und zu mitgegangen und letztlich eingestiegen. Seitdem ist sie begeistertes Mitglied. Vergangenes Jahr bekam die Schützin zum Geburtstag ein eigenes Gewehr geschenkt - und brach mit einem Wert von 105,1 gleich den Bahnrekord. Zuvor lag er bei 104,3. Aufgestellt wurde er von ihrem Ehemann. Zehn Jahre hatte er Bestand.

Dass Mama schießt, fänden ihre Kinder toll. "Auch Bekannte haben kein Problem damit", sagt die Lengericherin. In der Tat ist sie auch nicht die einzige Schützin des Vereins. Auf 25 Männer kommen 15 Frauen. Tendenz steigend. "Der Trend geht dahin, dass immer mehr Frauen schießen", sagt Schießsportleiter Benno Bosse.

Alleine war Bärbel Helmrich zwar nicht, als sie dem Verein vor elf Jahren beitrat. "Da waren auch schon Frauen dabei, aber es waren deutlich weniger als heute", erinnert sie sich. Nur sechs Damen hätten zur Waffe gegriffen - heute sind es fast drei Mal so viele.

Startschwierigkeiten habe sie in Laggenbeck keine gehabt. "Im Gegenteil. Man hat sich gefreut, dass noch eine Frau dazukam." Zu Hause in Lengerich sei dies anders gewesen. Von einem Verein etwa sei bekannt gewesen, dass schießende Frauen dort nicht gewollt waren.

Am meisten freut sich die 51-Jährige, wenn Turniere anstehen. "Vor jedem Spiel denkt man immer: jetzt geht es los." Ein bisschen Nervosität sei zwar immer im Spiel. Aber so treffe man trotzdem: "Man muss dem Schuss lange genug hinterher gucken." Der Grund dafür ist simpel: Wer die Flinte zu früh absetzt, verreißt.

Ob Kreis-, Bezirks- oder Stadtmeisterschaft: In diesem Jahr habe sie stets den ersten oder zweiten Platz belegt, sagt ihr Mann stolz. Die Sportlerin hat einen "Lauf". Aber Bärbel Helmrich, die auch mit dem Luftgewehr auf die Bahn geht, winkt ab. "Ach, das kann sich ja ganz schnell ändern", sagt sie ruhig. Die Schützin ist bescheiden. Der Spaß am Sport ist ihr spürbar wichtiger als die Pokale und Medaillen.

Zwei Daten sind bei ihr schon dick im Kalender angestrichen. Die Kreismeisterschaften im Luftgewehrschießen (4. Dezember) und in ihrer Paradedisziplin "Kleinkaliber aufgelegt" (8. Januar). Bei beiden Turnieren wird die Sportlerin kurz vor dem Schuss zwar wieder mit ihrer Nervosität kämpfen. Aber auch dort wird sie vor dem Abdrücken kurz die Luft anhalten - und einen Volltreffer landen.